Ist vegan leben nicht total teuer?

Das ist das Hauptargument von Pseudo-Interessierten. Angeblich sei es ja viel teurer, vegan zu leben, als Fleisch zu essen. Ich frage mich, wie die Leute darauf kommen.
Sicher, wenn ich alles nur im Bioladen oder Reformhaus kaufe, ist es natürlich teurer, aber dort sind auch Fleisch, Milch usw. teurer als bei ALDI. Es ist also generell schon mal ungerecht, Bio-Produkte mit denen von Discountern zu vergleichen.
Aber es muss ja gar nicht bio sein. Ich kaufe relativ selten bio, und wenn, dann eher zufällig. Meine Lieblingssojamilch (die man in Deutschland nicht Milch nennen darf) ist z.B. die von enerBio (Rossmann), und die gibt es nur in bio. Die ist mit 1,49€/L nicht gerade billig, aber immer noch preiswert. Im Netto gibt es Bio-Sojamilch schon für 0,95€ – Biovollmilch kostet auch nicht viel weniger. Hinzu kommt, dass auf Sojamilch 19% Mehrwertsteuer gezahlt werden müssen, auf Kuhmilch nur 7%. Wenn wir mal von fiktiven Nettopreis von 50 Cent käme man auf 54 Cent für 1L Kuhmilch und 60 Cent für 1L Sojamilch. Und dabei werden die Betriebe zusätzlich noch mit staatlichen Subventionen unterstützt. Der Preis für Milch, aber auch Fleisch usw. ist also nur künstlich niedrig gehalten und eigentlich viel teurer, man finanziert das nur unbemerkt über die Lohnsteuer – ja, auch als Veganer, was mich echt ankotzt, aber das ist hier nicht das Thema.
Nehmen wir mal als Beispiel Spaghetti Bolognese – ein beliebtes Gericht. Nudeln (100% Hartweizen), Zwiebeln, Tomatenmark, Gewürze – alles vegan und für alle gleich teuer. Die Variante mit Eiernudeln ist sogar teurer. Kommen wir nun zum Hack. 1kg Hackfleisch Halb und Halb kostet um die 5€, im Angebot auch mal weniger, aber gehen wir mal vom Normalpreis aus. Weicht man Sojaschnetzel in Wasser oder Brühe ein, kostet 1kg zubereitetes „Hack“ nur schlappe 2€ – und das für ein Produkt, das lange haltbar ist und einem niemals Salmonellen bescheren wird!
Zudem betrachten die meisten Menschen beim Preisvergleich nur Fertigprodukte. Natürlich kostet das fertige Sojagyros mehr als das selbstgemachte – aber das war doch schon immer so. Wer sparen will, muss selber kochen, egal ob Veganer oder nicht.
Weiterer Vorteil: Durch den noch recht geringen Anteil an veganen Süß- und Backwaren sowie Snacks an Kiosken, Tankstellen o.ä. sinkt die Chance, sich „mal eben“ was zu kaufen. Früher habe ich oft einen Schokoriegel oder einen Muffin gekauft, um mir die Zeit zu vertreiben, wenn der Zug mal wieder zu spät dran war. Heute fällt das flach. Schont übrigens nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Fettdepots 😉

Fazit: Wer selber kocht und, statt auf Fertigprodukte zuzugreifen, zahlt nicht weniger als ein Allesesser. Im Gegenteil, hier ist die vegane Küche oft günstiger, weil Sojaprodukte läger haltbar sind und man so größere Mengen zum kleinen Preis einkaufen kann. Das ist besonders für Singlehaushalte interessant (ich habe früher immer viel Fleisch weggeworfen, weil es einfach zu schnell schlecht wurde). Grundnahrungsmittel gibt es auch vegan im Discounter, und letztere bauen ihr veganes Sortiment immer mehr aus. Ich zahle jedenfalls nicht mehr als zu Omni-Zeiten.

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