Barbara – irgendwie doch ganz normal

Mit Ausgabe 34 war es endlich so weit: Ich habe eine Barbara gekauft! So oft stand ich schon davor, aber dann hab ich sie doch wieder liegen lassen. Und beim Arzt hab ich noch nie eine rumliegen sehen.

Barbara vom Verlag Gruner+Jahn ist ein Magazin (nicht nur) von und mit Barbara Schöneberger. Diese fand ich schon immer sympathisch, einfach, weil sie eine tolle Ausstrahlung hat. Sie ist klug und witzig, aber nicht zu albern oder vulgär. Einfach eine, die ihr Ding macht, aber nicht übertreibt. Barbara soll ein Magazin sein, das diese Einstellung wiederspiegelt und sich damit von anderen Frauenmagazinen abhebt, weil es sich eben nicht nur mit Mode und Diät beschäftigt.

In Ausgabe 34 geht es größtenteils im das Thema Kinder. Ob man welche hat oder warum nicht, wie man sie groß zieht, wie sie über ihre Eltern denken und was Mütter so besonders macht. Lustig eigentlich, dass es gerade diese Ausgabe wurde, wo ich doch Kinder nicht leiden kann und erst recht keine eigenen will. Aber gerade bei so einem kontroversen Thema hat es mich interessiert, wie eine eher unkonventionelles Frauenmagazin (das aber immer auch die männlichen Leser direkt anspricht – hier ist man(n) also nicht nur mitgemeint!) den Einheitsbrei der „Kinder sind soooo supi“ und „Mutti ist die Beste“ anderer Magazine durchbricht.

Aber kommen wir erstmal zu den Zahlen. Das Magazin erscheint 10x jährlich, ist 180 Seiten dick und kostet 4,20€. Das Format ist ziemlich groß und dadurch in der Bahn eher unpraktisch. Dafür ist das Papier dick und besonders der Umschlag matt und hochwertig.
Die Seiten verteilen sich wie folgt:
– Internes (Cover, Impressum, Inhaltsverzeichnis etc.): 11 Seiten
– Mode & Beauty: 35 Seiten
– Reportagen, Interviews usw.: 43 Seiten
– Food, Home, Reise: 36 Seiten
– Produktempfehlungen: 10 Seiten
– Verschiedenes: 4 Seiten
– Werbung: 41 Seiten

Knapp 22% bestehen also aus Werbung und wenn man bedenkt, dass es noch allgemeine Produktempfehlungen gibt und bei Mode, Beauty und Home auch fast nur Produkte vorgestellt werden, ist das halbe Heft voll mit Werbung – hauptsächlich für Beautyprodukte. Und leider geht es gerade im Bereich Mode hauptsächlich um Designerkleidung mit Preisen, die sich kaum eine leisten kann, wenn überhaupt Preise daneben stehen, und die im Alltag nicht wirklich tragbar sind. Auch der Beauty-Bereich setzt sich aus teuren Produkten und „Trends“ zusammen, die von irgendwelchen Laufstegen kommen, die aber keine Frau fürs Büro umsetzen würde. Da unterscheidet sich Barbara also kein bisschen von ihrer Konkurrenz, sondern setzt auch hier auf Lebensferne.
Die Reportagen, Interviews und Artikel sind abwechslungsreich und gut geschrieben und passen zum Thema des Monats, enthalten mir aber zu viele große Bilder. Ich mag Fotos, aber so schrumpft ein 6-seitiger Artikel auf 2-3 Seiten Text. Und dass gerade ein Artikel, der auf dem Cover beworben wird, nur eine Seite Text umfasst, hat mich geärgert, da „Warum hast du keine Kinder? – Die blödeste Frage der Welt“ für mich DER Kaufanreiz war. Beim Thema Abtreibung kommt überraschenderweise ein Mann zu Wort, der das Kind gerne behalten hätte – lässt aber durchscheinen, dass das nur relevant wäre, wenn es sich um einen Sohn gehandelt hätte. Sympathisch. Nicht.

Wirklich überraschend ist tatsächlich das Fehlen von Klassikern wie Klatsch und Tratsch, Horoskopen oder Kreuzworträtseln. Aber die gibt es in anderen Hochglanzmagazinen wie z.B. der Vogue auch nicht, also ist auch das nicht wirklich was Neues. Es gibt übrigens auch nichts über Diäten (von Werbung mal abgesehen). Das ist so ein Barbara-Grundsatz, weil schlank nicht automatisch schön bedeutet etc. Generell gut, lässt aber komplett aus den Augen, dass Übergewicht in erster Linie kein optisches, sondern ein gesundheitliches Problem ist. Was spricht also dagegen, statt über Traumfigur-Crash-Diäten über vernünftige, gesunde Ernährung und alltagstaugliche Sportprogramme zu sprechen? Aber um Gesundheit geht’s bei Barbara nicht, dafür gibt es Kuchenrezepte, was wiederum sehr klassisch ist.

Fazit
Barbara ist nett, aber leider alles andere als besonders. Die Ausgabe lässt sich mit „Mama nervt manchmal, ist aber die Beste, und Kinder nerven auch manchmal, aber Babys sind süüüß“ zusammenfassen. Und auch wenn es nirgendwo um Diät geht, steht natürlich trotzdem das Aussehen der Frauen im Vordergrund – es gibt sogar die obligatorische „wir lästern über die Klamotten prominenter Frauen“-Ecke, auch wenn sonst auf Promi-Klatsch verzichtet wird. Die gut geschriebenen Artikel sind inhaltlich leider auch selten spannend genug, um da irgendwas zu retten.
Das klingt jetzt nach viel Gemecker, aber Barbara ist schon okay. Macht halt, was ein Frauenmagazin zu machen hat und das in guter Qualität, stilistisch wie haptisch. Aber leider auch nicht mehr und erst recht nichts anders. Ich habe einfach mehr erwartet.

Barbara

4,20€
7.5

Preis

7.0/10

Inhalt

6.5/10

Qualität

9.0/10

Pros

  • hohe Papierqualität
  • gut geschriebene Artikel

Cons

  • inhaltlich 08/15
  • viel Werbung
  • vorgestellte Mode etc. zu teuer

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